Kultur und Natur

Weltdokumentenerbe werden

Das UNESCO-Weltdokumentenerbe umfasst dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte. Doch wonach wird entschieden, ob ein Dokument in das Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen wird? Und wer entscheidet darüber?

Zur Einreichung beschlossen

Das Deutsche Nominierungskomitee "Memory of the World" hat die Einreichung folgender Dossiers zum nächstmöglichen Zeitpunkt bei der UNESCO beschlossen:

national

 

international

  • Dokumente zur Geschichte der Hanse, Stadtarchiv der Hansestadt Lübeck (federführend), internationale Gemeinschaftsnominierung mit Belgien, Dänemark, Estland, Lettland und Polen

Aufnahmeverfahren: Prozedere und Zuständigkeiten

Alle zwei Jahre können pro Land zwei Vorschläge zur Aufnahme in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes eingereicht werden. Zusätzlich sind Gemeinschaftsnominierungen möglich, bei denen zwei oder mehrere Länder kooperieren. Diese unterliegen keiner zahlenmäßigen Beschränkung.

Die Frist für die Einreichung liegt im Frühjahr des jeweiligen Jahres. Über das genaue Einreichdatum informiert die Deutsche UNESCO-Kommission.

Nationale Nominierungskomitees bereiten die Vorschläge für das Weltregister vor. Seit 1999 gibt es in Deutschland ein Nationalkomitee für das Memory of the World-Programm. Aufgabe dieses Expertengremiums ist in erster Linie die Erarbeitung, Prüfung und Bewertung deutscher Vorschläge für die Aufnahme in das Weltregister. Die deutschen Nominierungsvorschläge werden dann an die UNESCO weitergeleitet. Ziel des Nominierungskomitees ist es auch, die deutsche Öffentlichkeit für Fragen des Weltdokumentenerbes zu sensibilisieren. Das Nominierungskomitee wird vom Vorstand der Deutschen UNESCO-Kommission für jeweils vier Jahre berufen, zuletzt im Herbst 2017 für den Programmzeitraum 2018-2021.

Über die Aufnahme von Dokumenten in das Weltregister berät ein Internationales Komitee (International Advisory Committee) im Folgejahr der Einreichung bei der UNESCO. Die Mitglieder des Internationalen Komitees werden von der UNESCO-Generaldirektorin berufen. Diese trifft die endgültige Entscheidung über die Aufnahme in das UNESCO-Register "Memory of the World". Von der Einreichung bis zur Verleihung des Titels „Weltdokumentenerbe“ dauert es ungefähr anderthalb Jahre.

Aufnahmekriterien

Ziel des Programms ist es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu erhalten und auf informationstechnischen Wegen weltweit zugänglich zu machen.

Nominierungsvorschläge werden mit Blick auf folgende Auswahlkriterien geprüft und bewertet:

Authentizität durch Herkunftsnachweis, Expertenbestätigung (existiert Original zum Beispiel Autograph, Manuskript, Handschrift, Foto, Film; falls nein, ist Verlust/Zerstörung belegbar? Gibt es gegebenenfalls Erstdruck, erste (älteste) Kopien, belegbar?)
Weltweite Bedeutung in globaler, regionaler oder nationaler Wirkungsgeschichte
Einzigartigkeit, nachgewiesen durch wissenschaftlich begründeten Vergleich
Unersetzlichkeit

Mindestens eines der folgenden vergleichenden Kriterien muss erfüllt sein:
Epoche: Entstehungszeit, zum Beispiel 'das erste seiner Art'
Ort und Personen: geografischer, kultureller und sozialer Kontext, kritische Übergänge, Umbrüche, Rolle von Individuen/Gruppen
Thema: Bedeutung, Reichweite des Themas, Charakter als Spiegel der Zeitläufe
Form und Stil: inhaltlich-geschichtlicher, künstlerisch-ästhetischer, linguistischer oder stilistischer Wert
Soziale/spirituelle/gesellschaftliche Bedeutung, besonders mit Blick auf die Gegenwart

Weitere Gesichtspunkte zum Kontext und der vergleichenden Analyse, die zu beachten sind:
• Seltenheit mit Begründung auf Basis des Forschungsstandes
• Integrität des Dokuments: Erhaltungsgrad
• Gefährdung: ist der Bestand gefährdet?

Warum Weltdokumentenerbe werden? Vorteile und Konsequenzen

Die Aufnahme eines Dokumentes in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes „Memory of the World“ ist eine internationale Auszeichnung. Sie hebt den universellen Wert und die Bedeutsamkeit des Dokumentes hervor. Das Dokument wird aufgenommen in ein weltumspannendes digitales Netzwerk mit weiteren herausragenden Dokumenten: wertvollen Buchbeständen, Handschriften, Partituren, Unikaten, Bild-, Ton- und Filmdokumenten. Die Auszeichnung als Weltdokumentenerbe erhöht die Sichtbarkeit des Dokumentes und seiner beherbergenden Institution. Zusätzlich haben die besitzenden Einrichtungen die Möglichkeit, im internationalen Netzwerk in Austausch mit Bibliotheken oder Archiven anderer Länder zu kommen.

Die Institutionen, die das Weltdokumentenerbe beherbergen, verpflichten sich, für die Erhaltung ihres dokumentarischen Erbes zu sorgen und den weltweiten Zugang mit Hilfe modernster Technologien zu ermöglichen. Jedes Jahr ist vom institutionellen Träger ein Kurzbericht über die Öffentlichkeitsarbeit und sonstigen Aktivitäten in Bezug auf das Dokumentenerbe zu erstellen und an das Sekretariat der Deutschen UNESCO-Kommission zu übermitteln. Ein Managementplan ist Voraussetzung für die Registrierung. Im Falle einer Nichteinhaltung der Verpflichtungen ist in äußerster Konsequenz eine Entfernung des Eintrags aus dem „Memory of the World“-Register möglich.

Bei dem Programm handelt es sich nicht um ein finanzielles Förderprogramm zum Zweck der Restaurierung des Dokumentenerbes.

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