UNESCO-Welterbe Krzemionki

Prähistorisches Zeugnis einer vergangenen Bergbautradition

Die Montanregion Krzemionki ist ein einzigartiges Zeugnis für die prähistorische Gewinnung und Verarbeitung von gebändertem Feuerstein aus der Zeit von 3900 bis 1600 vor Christus. Mit ihren unterirdischen Abbauräumen, Schlagplätzen und rund 4.000 Schächten und Gruben verfügt die Welterbestätte über eine äußerst gut erhaltene und umfassende neolithische Industrielandschaft.

Die Montanregion Krzemionki liegt im Heiligkreuzgebirge im Südosten Polens und umfasst vier jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Abbaugebiete für gebänderten Feuerstein: Das Bergbaugebiet Krzemionki Opatweskie, die zwei kleineren Bergbaugebiete Borownia und Korycizna, und die permanente Siedlung Gawroniec. Gebänderter Feuerstein zeichnet sich durch seine außergewöhnliche zebraartige Musterung aus Grautönen aus. Nach dem Abbau des Feuersteins wurde das Rohmaterial in der Siedlung Gawroniec zu Beilen verarbeitet und mit einer Politur versehen. Als integraler Bestandteil des Bergbaumanagementsystems dokumentieren die Reste der Siedlung die damaligen Organisationsstrukturen der Bergbaugemeinschaft.

Illustration Welerbestätten

Faktenbox

Zeugnis einer längst verschwundenen Bergbautradition

Die Bergbauregion ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die Lebens- und Arbeitsbedingungen prähistorischer Gemeinschaften des Neolithikums (Auswahlkriterium iii). Es liefert wichtige wissenschaftliche und anthropologische Beweise über eine längst verschwundene kulturelle Tradition, die in ihrer Art unverwechselbar war. Die Verwendung der aus Feuerstein hergestellten Beile wurde in einem Umkreis von 650 km nachgewiesen. Die Stätte zeugt von einem Wendepunkt in der Geschichte: Mit der neuen unterirdischen Bergbaumethode wurden neue Techniken entwickelt und der großflächige Abbau von qualitativ hochwertigem Feuerstein aus tieferen Schichten ermöglicht (Auswahlkriterium iv).

Die Stätte zeichnet sich durch ihre bemerkenswert intakte Industrielandschaft aus, in der sich Überreste von über 4.000 Schächten, Feuersteinwerkstätten, Bergarbeiterlagern und ein Wegenetz erhalten haben. Die Landschaft ist geprägt von einer Vielzahl verschiedener Minenarten, die Aufschluss über die Bandbreite verschiedener prähistorischer Feuersteinabbautechniken vom Neolithikum bis in die Bronzezeit geben. 

Bergbau und Welterbe

Neben der Montanregion Krzemionki wurde 2019 auch eine deutsche Stätte mit globaler bergbaugeschichtlicher Bedeutung auf die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří gilt als herausragendes Zentrum wissenschaftlich-technologischer Bergbauinnovation und als einzigartige montane Kulturlandschaft. Mit der Welterbestätte Zeche Zollverein und dem Bergwerk Rammelsberg mit der Altstadt von Goslar und der Oberharzer Wasserwirtschaft sind somit drei bedeutende Bergwerke in Deutschland Teil des UNESCO-Welterbes.

Der Abbau von Rohstoffen ist ein weltweites Phänomen. Neben ihrer hohen wirtschaftlichen Bedeutung haben Bergbauaktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die kulturellen Traditionen ihres geografischen Raumes und die Gestaltung der Landschaft genommen. In manchen Regionen, wie beispielsweise dem Erzgebirge, sind montane Traditionen bis heute lebendig und ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der Gesellschaft.

Der Abbau von Rohstoffen als Gefährdungsfaktor

Trotz einer Vielzahl von Welterbestätten mit einer direkten Verbindung zu Bergbautraditionen und ihren technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften ist der Abbau von Mineralien innerhalb einer Welterbestätte grundsätzlich untersagt. So handelt es sich bei der jüngst eingeschriebenen Montanregion Krzemionki und den in Deutschland gelegenen bergbaulichen Welterbestätten um stillgelegte Bergwerke, die ein Zeugnis für eine bereits vergangene Tradition sind.

Bergbauaktivitäten und die Förderung von Erdöl und Gas zählen heute zu den sieben größten Gefährdungsfaktoren für den außergewöhnlichen universellen Wert einer Welterbestätte. Aufgrund der wachsenden negativen Einflüsse dieser Aktivitäten führte das Welterbekomitee bereits im Jahr 2000 einen gemeinsamen Workshop mit dem Internationalen Rat für Bergbau und Metalle (ICMM) zum Thema Welterbe und Bergbau durch. Der Workshop führte 2003 zur Verabschiedung des sogenannten „No-go-commitment“, welches Mitgliedsunternehmen der ICMM verpflichtet, keinerlei Abbautätigkeiten innerhalb einer eingeschriebenen Welterbestätte durchzuführen. 2013 verabschiedete das Welterbekomitee zudem einen Beschluss, der alle Vertragsstaaten der Welterbekonvention unter anderem dazu aufruft, jegliche mineralgewinnenden Aktivitäten innerhalb von Welterbestätten zu vermeiden. Damit bekräftigt das Welterbekomitee seine Position, dass die Förderung von Mineralien, Erdöl und Gas unvereinbar mit dem UNESCO-Welterbestatus sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNESCO-Welterbe und Rohstoffindustrien

 

Porträtserie

Im Rahmen der 43. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees 2019 in Baku (Aserbaidschan) wurden 29 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes der Menschheit.

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