Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Brauch des Martensmanns

Mit der Tradition des Martensmanns – eine symbolische Weinlieferung der Hansestadt Lübeck an die Herzöge von Mecklenburg in Schwerin – wurde nach der deutschen Einheit ein mittelalterlich-neuzeitlicher regionaler Heischebrauch wiederbelebt. Heute betont er die deutsch-deutsche Verständigung und ist Ausdruck regionaler Identität.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2020
  • Verbreitung: Hansestadt Lübeck, Rehna, Schönberg, Schwerin
  • Zentraler Termin:
    9.-11. November
  • Bereich: Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Kontakt

Heimatbund für das Fürstentum Ratzeburg von 1901 e.V.
Emanuela Glöde
ramisch@nordwestmecklenburg.de
www.schoenberger-land.de

Beim Brauch des Martensmanns sendet die Stadt Lübeck den mecklenburgischen Herzögen jedes Jahr ein Fass Wein nach Schwerin. Das Fass wird vom Martensmann transportiert und überreicht. Der Brauch wurde 1520 erstmals urkundlich erwähnt, bis 1817 fortgeführt und 1991 nach der deutschen Wiedervereinigung wieder eingeführt, um die Gemeinsamkeit der ehemals geteilten Region zu betonen.

Der Martensmann beginnt seine Fahrt mit einer Kutsche am 9. November und folgt einer festgelegten Route. Auf dem Weg nach Schwerin macht er zwei Stationen: zuerst in Schönberg für ein Mittagessen und dann in Rhena. In Rhena übernachtet der Martensmann, bevor er am nächsten Tag seine Fahrt nach Schwerin fortsetzt. In Schönberg, Rhena und Schwerin wird er jeweils mit einem Volksfest begrüßt, bei dem der Wein aus dem Fass verkostet wird. In Schwerin angekommen überreicht der Martensmann das auf der Fahrt bereits mehrfach wieder aufgefüllte Fass schließlich an den Oberbürgermeister von Schwerin. Ergänzt wird der Brauch heute von mehreren Arbeitsessen von Vertreterinnen und Vertretern der Städte, bei denen kommunalpolitische Themen besprochen werden.

Das 100 Liter-Fass, das jedes Jahr mit Rotwein befüllt wird, wurde 1991 eigens für den Brauch angefertigt. Gekleidet ist der Martensmann in einer historischen Tracht. Er trägt eine Laterne und eine Geldkatze, beides Repliken der Originalgegenstände.

Der Brauch ist ein Symbol für die lebendige Bürgergesellschaft. Die Wiederaufnahme im Jahr 1991 und das Interesse der Bevölkerung in der wiedervereinigten Region zeigen die Bedeutung des Martensmanns als historische und zeitgenössische Identifikationsfigur. Der länderübergreifende Brauch ist zudem Bindeglied und Band für Kontakte von Kommunen, Vereinen und Menschen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Welche Akteure aus der Region bei der Weinlieferung eingebunden werden, folgt festen Abläufen. Dennoch bieten die verschiedenen Reisestationen des Martensmanns Spielraum für neue Ideen und halten so das Brauchtum lebendig.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2019

weitere Artikel

Süddeutsche Wander- und Hüteschäferei
Wander- und Hüteschäferei

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Süddeutsche Wander- und Hüteschäferei

Seit mehreren Jarhunderten werden Wander- und Hüteschäferei in Süddeutschland betrieben. Für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaften spielen sie bis heute eine entscheidene Rolle. Das hierfür relevante Wissen und Können wird in einer Berufsausbildung und durch Fortbildungen vermittelt.
weiterlesen
Spergauer Lichtmeß
Spergauer Lichtmeß

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Spergauer Lichtmeß

Die Spergauer Lichtmeß wird jedes Jahr Anfang Februar in Spergau, einem Ortsteil der Stadt Leuna im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, gefeiert. Zum Lichtmeßtag ist das ganze Dorf auf den Beinen.
weiterlesen